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Nachricht vom 11.02.2021 News

"Neues, sicheres Kapitel der Kernenergie?

Antwort auf einen Leserbrief pro Atomkraft in der AZ

Amberg (Bericht von Hans-Jürgen Frey)  Ein flammendes Plädoyer für neue AKW anstelle von Sonne und Wind mit ihren "desaströsen Unzulänglichkeiten" und "gigantischen Kosten" hatte Tilmann Herbolzheimer in einem Leserbrief gehalten.
Als Entgegnung darauf folgender Leserbrief:
"Versprechen für neue, ganz tolle Reaktoren gab es schon beim Widerstand gegen Wackersdorf. 35 Jahre danach sind wir noch nicht weiter, außer dass massiv Steuergelder über Jahrzehnte in Forschungsprojekte geflossen sind.
Die Renaissance der Atomkraft bei der 3. Generation will einfach nicht gelingen. Das sieht man nicht nur in Flamanville. Dieser Reaktor sollte schon vor 8 Jahren fertig sein. Auch in Finnland sollten die Bauarbeiten am Atommeiler Olkiluoto 3 eigentlich schon vor 12 Jahren abgeschlossen sein. Beim dem einst vom französischen Konsortium von Areva und Siemens zum Festpreis von drei Milliarden Euro angebotenen Meiler sind die Kosten derweil auf über 12 Milliarden explodiert.
Die Hoffnungen der Atomkraftbefürworter liegen jetzt auf der 4. Generation, die angeblich ungefährlich ist, kostengünstig Energie im Überfluss liefert und obendrauf noch den Atommüll „frisst“. Es sieht jedoch so aus, dass diese Nuklearvisionen die zahlreichen Atom-Probleme nicht lösen werden können: Auch in einem Dual-Fluid-Reaktor sind schwere Atomunfälle und unkontrollierte Kettenreaktionen nicht ausgeschlossen. So ist z.B. der geplante Notablass des hochradioaktiven Brennstoffkreislaufs bisher nur eine Skizze, Sicherheitsnachweise des Reaktorkonzepts liegen keine vor.
Gleiches gilt für die zum Betrieb eines solchen Reaktors zwingend nötige integrierte Wiederaufarbeitungsanlage mit an die 1000 Grad heißen, hochradioaktiven Chlorverbindungen, die ein immenses Gefahrenpotenzial darstellen.
Die Umwandlung langlebiger Bestandteile des Atommülls in kurzlebige Stoffe (Transmutation), die der Dual-Fluid-Reaktor ermöglichen soll, kommt nur für einen Teil des Atommülls in Frage. Ein tiefengeologisches Atommülllager würde also keinesfalls überflüssig. Zudem würden in der integrierten Wiederaufarbeitungsanlage radioaktive Stoffe anfallen, die den Bau von Atomwaffen ermöglichen. Sie könnten leicht entwendet und für militärische oder terroristische Zwecke missbraucht werden. Alle Bemühungen um die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen würden somit konterkariert.

Der sogenannte „Reaktor“ dieser Generation ist real nicht mehr als eine Ideenskizze, deren Versprechungen bisher niemand überprüfen kann. Für belastbare Aussagen zur Tauglichkeit des Konzepts müssten Investoren gefunden werden, die bereit sind, für eine seriöse Machbarkeitsstudie samt Testanlage Milliarden aufzubringen. Solange die nicht in Sicht sind, bleibt den Entwicklern des Dual-Fluid-Reaktors nur eines: Werbung machen für ein „Neues, sicheres Kapitel der Kernenergie“.

Selbst die Fans des Dual-Fluid-Reaktor gehen davon aus, dass es mehrere Jahrzehnte braucht, um tatsächlich Strom produzierende AKW diesen Typs zu bauen – von allen technischen, gesellschaftlichen, finanziellen und politischen Schwierigkeiten einmal abgesehen.
Um das katastrophale Kippen des Weltklimas zu verhindern, muss der Ausstoß von Treibhausgasen jedoch schnell sinken. Ein Reaktor, den es theoretisch eventuell in einigen Jahrzehnten einmal geben könnte, ist hier nicht hilfreich.
Der Kernreaktor Sonne dagegen liefert noch 5 Millionen Jahre kostenlose, CO2-freie, sichere und überall verfügbare Energie – in 45 Minuten soviel wie die gesamte Menschheit in einem Jahr verbraucht! Die problemlose technische Umsetzung der dezentralen Solarenergie hat sich längst bewährt und setzt sich zunehmend weltweit durch."
Hans-Jürgen Frey

Doch wieder AKW? - Foto von Foto: "ausgestrahlt"
Doch wieder AKW?

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